Matthias Rohm, Patricia Moser, Christian Fuczik, Institut für Hanfanalytik
Mit der Teillegalisierung von Cannabis in Deutschland hat das Interesse an der tatsächlichen Potenz von Cannabisblüten deutlich zugenommen. Im Rahmen der Mary Jane Berlin 2026 wurden 534 Cannabisblüten von MessebesucherInnen mittels NIR-Spektrometrie vor Ort untersucht.
Während auf Verpackungen, in sozialen Medien oder durch informelle Angaben häufig THC-Gehalte kommuniziert werden, liegen nur begrenzte Daten zur tatsächlichen Zusammensetzung der von Konsumentinnen und Konsumenten verwendeten Blüten vor. Gleichzeitig sind THC-Gehalte ein wesentlicher Qualitäts- und Sicherheitsparameter, da sie maßgeblich die pharmakologische Wirkung und das Risikoprofil von Cannabisprodukten beeinflussen.
Die Mary Jane Berlin 2026 mit über 70.000 Besucherinnen und Besuchern sowie mehreren hundert Ausstellern vereint KonsumentInnen, ProduzentInnen, HändlerInnen und Fachleute aus der gesamten Cannabisbranche. Die Veranstaltung bietet daher eine einzigartige Gelegenheit, ein breites Spektrum an realen Konsumentenproben zu erfassen und deren CBD- und THC-Gehalte zu untersuchen.
Die analytische Bestimmung von Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) spielt eine zentrale Rolle bei der Qualitätskontrolle von Cannabisprodukten. Trotz zunehmender Marktregulierung bestehen weiterhin erhebliche Unterschiede zwischen Sorten, Chargen und Herkunftsländern. Untersuchungen in unserem Labor haben gezeigt, dass die tatsächlichen THC-Gehalte häufig von den angegebenen Werten abweichen können.
Die Vor-Ort-Analysen wurden mithilfe eines Nahinfrarot-Spektrometers (NIR) durchgeführt. Die verwendete NIR-Methode basiert auf einem herstellerspezifischen Kalibrationsmodell, das anhand einer umfangreichen Referenzdatenbank chromatographisch charakterisierter Cannabisproben entwickelt wurde. Die Bestimmungsgrenze für alle Cannabinoide lag bei 1 %.
Zur Gewährleistung einer möglichst homogenen Probenmatrix wurden die Cannabisblüten mit einem Grinder homogenisiert. Das Homogenisat wurde in ein Aluminium-Wägeschälchen überführt und anschließend dreifach mittels NIR-Spektroskopie vermessen.
Abb. 1: NIRLab NIR-Spektrometer
Abb. 2: Probe in Wägeschälchen
Es wurden 534 Proben zur Messung vorgelegt. Davon waren:
Die untersuchten THC-Sorten wiesen einen medianen THC-Gehalt von 17,4 % auf. Die gemessenen THC-Konzentrationen reichten von 5,9 % bis 25,7 %.
Tabelle 1: Ergebnisse der Hybride
Abb. 3: Häufigkeitsverteilung der THC-Gehalte in den abgegebenen Proben
Abb. 4: Analysenergebnis – NIR-Spektrum
Abb. 5: Analysenergebnis – Abrufbar vom Hanfanalytik-Server
Der in dieser Studie ermittelte Median von 17,4 % THC liegt über den historischen europäischen Durchschnittswerten und spiegelt die Entwicklung hin zu potenteren Cannabisprodukten wider. Gleichzeitig zeigt das Fehlen von Proben mit extrem hohen THC-Gehalten von über 30 % eine deutliche Abgrenzung gegenüber Konzentraten.
[1] Mary Jane Berlin – maryjane-berlin.com
[2] Rafiq et al. (2024). Plants, 13(6), 833.
[3] Sánchez-Carnerero et al. (2025). Frontiers in Plant Science, 16.
[4] European Union Drugs Agency (2026). European Drug Report 2026.